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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Betroffene berichten

Ein Inzestgeborener berichtet:

Als Genie im Wahnsystem der Tätergesellschaft


Vorwort v. Ulrike M. Dierkes, Autorin/Vorsitzende:

Michael S. (36) ist eines von sieben Inzestkindern eines Inzestverbrechers, der seine eigene Tochter inzestuös missbrauchte. Zwei der Kinder fanden (laut schriftlich vorliegender Zeugenaussagen) schon gleich nach der Geburt den Tod. Ein Kind landete in der Mülltonne, eines wurde angeblich mit einem Stein beschwert im Rhein versenkt. 


Der Täter isolierte die Familie jahrelang. Erst bei der Einschulung fiel den Schulbehörden auf, dass "etwas nicht stimmte". Im Mittelpunkt des Interesses stand aber stets die Vernachlässigung der Schulpflicht, nicht etwa das Inzestverbrechen des Vaters. Er schulte seine Inzestkinder viele Jahre lang selbst und ließ sie nicht zur Schule gehen.


Mit Rücksicht auf noch lebende Personen ersparen wir Ihnen und uns an dieser Stelle weitere detaillierte Beschreibungen, nur soviel:


Seit Michael vor einigen Jahren Mitglied unseres Vereines wurde, begleiten und dokumentieren wir sein Schicksal, die Auswirkungen des Verbrechens und seinen Lebensweg. Dazu gehörte, seine inzestuöse Abstammung mittels DNA-Anaylse in einem rechtmedizinischen Institut zu klären und seine Rechte im Sinne des Opferentschädigungsgesetzes einzufordern. Doch das Land tut sich immernoch schwer, wenn es um Inzestopfer und daraus geborene Inzestkinder geht. 


Er bat uns ausdrücklich, seinen Bericht an dieser Stelle zu veröffentlichen:


Zu meiner Person:


Ich heiße Michael S. und bin Inzestkind! Durch ein gerichtliches Verfahren habe ich erfahren, das meine Mutter auch gleichzeitig meine Schwester ist und dass mein Vater auch gleichzeitig mein Großvater ist! Mein Vater hat seine Tochter geschwängert und ich bin der lebendige Beweis dafür!!! Traurig genug!!!


Doch es gibt auch etwas erfreuliches über mich! Ich habe zwar einen IQ von 80 und bin damit unterdurchschnittlich intelligent, laut standardisiertem Intelligenztest, aber ich habe trotzdem Aufgaben für Hochbegabte bei diesem standardisierten Intelligenztest gelöst: Nämlich Aufgaben des logischen Denkens. Ich bin also einseitig Hochbegabt, laut standardisiertem Intelligenztest!!! Diesen Test habe ich im Landeskrankenhaus in Bonn gemacht. Auch wenn ich nicht allzu viel von diesen Tests halte, eins ist sicher: Man kann bei einem solchen Intelligenztest nicht besser abschneiden als man ist!!! Man kann aber auf jeden Fall schlechter abschneiden als man ist!!!


Unter Hochbegabten wird teilweise diskutiert, ob ich vielleicht ein Genie sein könnte!!! Und das nicht nur unter Hochbegabten!!!



Zum Schluss noch eine schlechte Nachricht!
Im Jahre 2007 hatte ich eine ganz schlimme Psychose: Nämlich Schizophrenie! Diese war für mich so traumatisch, dass ich auch heute noch darunter leide!!! Genie und Wahnsinn!!!


Copyright: M.E.L.I.N.A e.V.

Nickname 09.01.2010, 13.36 | PL

Ein etwas anderer Lebenslauf

Der etwas andere Lebenslauf.......

Was tut man nicht alles, um sich als Kind die "Liebe" der Eltern zu erkämpfen?!

Nun,was daraus geworden ist, schreibt jetzt gerade diese Zeilen.

Vierzig Jahre hat es nun gedauert, bis ich meine komplette Vergangenheit erinnern konnte und die Ungewissheit, die ich immer im Bauch hatte, in eine zunächst einmal nüchtern-sachliche Tatsache der Gewissheit umwandeln konnte.

Ich will versuchen, die etwas anders gelebte und nach und nach in Erinnerung gerufene Chronologie zu schildern:

Durch extrem strenge, kontrollierende und lieblose Erziehung stellte ich in meiner Kindheit das Reden fast ganz ein und zog mich in mich selbst zurück. Bis auf Schule und Sport vermieden meine Eltern jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Ich kannte kein unbeschwertes Spielen mit Gleichaltrigen und auch keinen Kindergarten. Ich wusste nur, wie man sich zu benehmen hatte, in Gesellschaft, bei Tisch, in der Schule, wusste, wo und wann ich Rücksicht zu nehmen hatte, kannte die 10 Gebote und lebte danach. Ich litt oft unter unerklärlichen Bauchschmerzen und Asthma. Die Ärzte konnten organisch aber nichts feststellen.


Eines allerdings habe ich schon als kleines Kind sehr vermisst: Echte Gefühle wurden offensichtlich nie wirklich gezeigt oder zugelassen, nicht zwischen meinen Eltern und auch uns gegenüber nicht. Kuscheln, lieb halten, umarmen, sagen „ich hab dich lieb“ waren Dinge, die wir nicht wirklich kannten. Höchstens ab und an von meinem Vater, das mir als Kind allerdings kein inniges und angenehmes Gefühl vermittelte.

Als ich fast zwölf Jahre alt war, wurde meine kleine Schwester geboren. Das einzige, was mir zunächst nur dazu einfiel, war, dass ich im Nachhinein nicht einmal sagen konnte, ob ich mich damals darüber gefreut habe oder nicht. Meine Eltern waren nie offen gewesen, was bestimmte Themen oder Gebiete der Gefühlswelt anbetraf. Und dazu zählte vor allem auch die Aufklärung oder eben die Geburt eines Kindes. Man sprach einfach nicht darüber. Ich war auch in keinster Weise vorbereitet und wusste ehrlich gesagt nicht viel mit diesem Baby anzufangen.Wir lebten zusammen und arrangierten uns.

Warum das alles so war, konnte ich nie erklären, denn meine Eltern haben, wie gesagt, nie über Gefühle gesprochen und schafften es somit, dass auch ich vermied, dergleichen zu tun. Ich weiß nur, dass meine Schwester mir später schon einmal ihr kleines Händchen reichte, wenn ich traurig war.

Erst als junge Erwachsene lernte ich durch meinen Mann, was es heißt, Freunde zu haben, Vertrauen aufzubauen, das ich zu meinen Eltern nicht hatte, und geliebt zu werden. Meine Kindheit verdrängte und verleugnete ich weitestgehend. So konnte ich ein scheinbar glückliches Leben führen.

Allerdings war es so, dass ich den körperlichen Kontakt zu meinem Mann nur sehr langsam aufbauen konnte, und das "erste Mal" endete in einer Ohnmacht meinerseits. Mein Mann war damals vollständig ratlos, aber auch ich hatte keine Erklärung dafür. Zum Glück war Sex nie das Wichitgste für ihn gewesen, was mir gottseidank die notwendige Zeit einbrachte, die ich dringend brauchte, um Vertrauen aufbauen zu können. Was wusste ich denn von Liebe??

Die Geburt unseres ersten Kindes war nur unter Peridualanästhesie möglich, und ich fühlte mich völlig hilflos.

Für meine Schwester hatte ich allerdings immer schon ein besonderes Verantwortungsgefühl, und da meine Mutter auch kein sonderliches Interesse an ihr zeigte, hab ich mich auch meist als Einzige um sie gekümmert. Und sie hing sehr an mir (was sich bis heute nicht geändert hat).

Das augenscheinliche Glück fand ein jähes Ende, als ich mit 34 Jahren von einem Fremden mehrfach vergewaltigt wurde. Wie betäubt hatte ich einfach alles mit mir geschehen lassen und mich nicht wehren können. Es riss mir den Boden unter den Füßen weg, aber ich verlor nie ein Wort darüber, versuchte meinen Schmerz und die Angst zu unterdrücken und machte alles wie schon immer mit mir alleine aus.

Zu groß waren Scham und Schuldgefühle und die Angst, vielleicht den geliebten Partner zu verlieren, wenn man die Wahrheit sagt. Mehr schlecht als recht ging also das Leben mit Mann und zu der Zeit zwei Kindern weiter.

Was ich damals noch nicht wusste, war, dass mein Vater mich zum Spielball eines Fremden noch Jahrzehnte später gemacht hatte.

Als ich dann acht Jahre später durch Zufall als diensthabenden Notarzt einen Homöopathen kennen lernte, spürte ich intuitiv, dass ich es mit seiner Hilfe schaffen konnte, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Anfangs noch skeptisch, begab ich mich in die Hände der klassischen Homöopathie und begann eine Therapie mitten im Chaos der Gefühle und der Erinnerungen.

Gestärkt durch ein homöopathisches Konstitutionsmittel, verbunden mit gezielt geführten psychologischen Gesprächen fand ich langsam den Mut, zu reden und baute allmählich die Kraft auf, die Vergewaltigung zu verarbeiten. Ja, ich hatte im Laufe der Zeit sogar das Gefühl, alles ganz gut im Griff zu haben.

Unter der Therapie aber kamen nach und nach dann auch die fast vergessenen Erinnerungen an die Kindheit wieder, und ich wurde mir des jahrelangen sexuellen Missbrauchs durch meinen Vater bewusst.

Meine Welt schien erneut zusammenzubrechen.

Immer mehr kamen die Erinnerungen aus der Kindheit zurück, ohne dass ich es wirklich wollte. Aber konnte es denn sein, dass man Dinge soweit vergrub, dass sie für einen gar nicht mehr existierten?? Oh ja, es konnte!

Das, was mir von meiner Kindheit in Erinnerung geblieben war, hatte ich in wenigen Worten zusammenfassen können. An schöne Stunden oder Tage hatte ich überhaupt keine Erinnerung. Gefühle jeglicher Art fehlten in meinem Gedächtnis. Ganz im Gegensatz zu meiner "Schwester", die an die Grundschulzeit und die Zeit bis zu ihrem sechzehnten Lebensjahr angeblich viele schöne Erinnerungen hatte. Dann hatte sie eine Ausbildung begonnen und vieles in einem anderen Licht gesehen, vieles, was sie an der Erziehung meiner Eltern gestört hatte, und so gab es vieles, wogegen sie sich dann auflehnte. Im Gegensatz zu mir.

Vor Jahren hatte sie im Spaß einmal erwähnt, dass sie so anders aussähe und dass sie sicher nicht das Kind ihrer Eltern sei. Sie vergleicht sich aber immer mit meiner jüngsten Tochter. Vielleicht hat sie eine leise Ahnung. Aber wir haben nie wieder davon gesprochen.

Bis vor anderthalb Jahren hatte mich meine Kindheit eigentlich überhaupt nicht mehr groß interessiert und auch nicht beschäftigt, allerhöchstens oberflächlich. Und auf einmal wollte ich die ganzen Zusammenhänge kennen lernen. Ich musste hinter die Geheimnisse kommen, die sich noch hinter verschlossener Tür befanden! Meine Gedanken zerrten mich in eine bestimmte Richtung, der ich aber nicht folgen wollte. Und immer wieder erschienen in meinem Gedächtnis Bilder, die mich erschrecken ließen, die ich nicht wahrnehmen und zulassen wollte.

Zu den Bildern gesellte sich alsbald bruchstückhaft eine passende Geschichte.

Doch merkwürdigerweise hatte ich das Gefühl, als würde in dieser Geschichte jemand Anderes die Hauptrolle spielen und nicht ich selber.

Das Chaos in meinem Kopf war wieder einmal perfekt. Aber nach und nach kamen mir die Erinnerungen wieder in den Sinn, und wohl oder übel musste ich mich damit beschäftigen. Das homöopathische Mittel hatte mir mittlerweile die gewisse Grundstabilität gegeben, die mir auch die Möglichkeit gab, die Dinge an der Oberfläche zu halten, ohne dass ich sofort wieder den Kopf und die Kontrolle verlor.

Ein großer Auslöser meiner Erinnerungen war zusätzlich ein Besuch bei meinem Internisten zur Herzsonographie. Das Kontakgel löste plötzlich eine extreme Übelkeit bei mir aus, das Überbeugen des Arztes über meinen nackten Oberkörper während der Sonographie rief bei mir extreme Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein hervor.

Und ich musste zunehmend erkennen, dass mein Vater der wirkliche Auslöser meiner ganzen Geschichte gewesen war!

Angefangen hatte es in meinem sechsten Lebensjahr mit Sreicheleinheiten, die immer weiter ausgedehnt wurden, gegen die ich mich vergeblich versucht hatte zu wehren, weil sie für mich gefühlsmäßig nicht einzuordnen waren.

Mit knapp zehn bekam ich meine Tage und mein Vater war glücklich, ein "großes Mädchen" zu haben. Hier begann der richtige sexuelle Missbrauch, der alles in mir tötete, was noch an Empfindungen da war. Ich war nur noch ein leerer Körper, der leblos umherschwirrte. "Erklärungen", ich dürfe es nie erzählen, ...es würde mir sowieso keiner glauben, ...Mama würde krank davon, wenn sie wüsste, dass er mich lieber hätte als sie, ...und ich wollte doch schließlich auch "Bescheid wissen", sonst würde mich nie jemand zur Frau haben wollen, ...ich wollte das doch auch alles, ...Drohungen mit Heim usw. brachten mich immer wieder dazu, JA zu sagen und ihm somit einen Freifahrtschein für sein weiteres Tun in die Hand zu geben. Zugedröhnt mit Valium und Schmerzmitteln ließ ich alles zu.

Doch als meine Tage schon sehr bald ausblieben, konnte mein Vater früh genug mit Tabletten und weitergeführtem Missbrauch eine Abtreibung herbeiführen.

Er hatte also mein Kind, meinen eigenen Bruder auf dem Gewissen! Mittlerweile hatte ich mich gedanklich so weit von all dem entfernt, dass ich keinerlei Empfindungen mehr wahrnahm.

Damit nicht genug, erneut wurde ich schwanger, aber durch eine längere Dienstreise meines Vaters war der Zug für eine weitere Abtreibung abgefahren. Ich bekam mit knapp zwölf zu Hause eine Tochter, meine Schwester.

Zwischenzeitlich einige Besuche bei unserem Zahnarzt, den man schließlich auch auf andere Weise "bezahlen konnte".

Mit fünfzehn der erste Suizidversuch, mit siebzehn der zweite. Aber ich hatte sowohl Angst zu leben als auch zu sterben.

Bis zu seinem Tod vor acht Jahren blieb ich immer in irgendeiner Weise abhängig von ihm. Und als er starb, empfand ich ein unglaubliches Gefühl der Freiheit, weil es den Auslöser meiner Geschichte nun nicht mehr gab.

In alten Unterlagen meines Vaters fand ich dann vor einigen Wochen noch eine Krankenhauseinweisung meiner Mutter zur Hysterektomie (Gebärmutterentfernung), versteckt in einem Umschlag mit einer Beschreibung eines alten TV-gerätes, datiert auf zwei Jahre VOR dem Geburtstermin meiner Schwester.

Mein Bauchgefühl und die unvollständigen Erinnerungen hatten sich nun bestätigt, dass meine Schwester in Wirklichkeit meine Schwestertochter war. Ja, ich erinnerte mich wieder ganz genau an das Bett, die Decke, meinen Körper, die Hebamme, und auch einige wenige Fotos aus der damaligen Zeit konnten dies bestätigen. Selbst die Gefühle kommen langsam zurück in Form von immer wieder auftretenden Unterleibskrämpfen, wenn ich auch nur daran denke.

Mit Hilfe der kleinen weißen homöopathischen Kügelchen aber und der leitenden Hand meines fantastischen Therapeuten hab ich nun die Höhen und Tiefen der Vergangenheit durchschritten. So wurde meine Konstitution jetzt so weit aufgebaut, dass ich in der Lage war, langsam aber sicher einen Weg zu finden, das Schweigen endgültig zu brechen, all das Schreckliche als gegebene Tatsache zu akzeptieren und so einen Weg zurück zu einem zufriedeneren Leben zu finden. Ich wurde wieder zum Kämpfer.

Ohne jegliche schulmedizinischen Medikamente habe ich depressive Phasen und psychosomatische Beschwerden überstanden. Hilflosigkeit, Verzweiflung und verlorener Lebensmut wurden mittlerweile abgelöst von Mut, Zuversicht und teilweise sogar zurück eroberter Lebensfreude.

Meine Schwestertochter, der ich in einem unseren vielen Gespräche fairerweise von dem sexuellen Missbrauchs unseres Vaters erzählt hatte, möchte aber von all meiner Vergangenheit nichts wissen, beteuert immer wieder, wie schön ihre Kindheit war. Vielleicht braucht auch sie noch Zeit ...

Meine Gefühle ihr gegenüber schwanken zwischen Liebe und Zuneigung, weil es mein eigenes Fleisch und Blut ist, aber auch zwischen Wut und Hass, weil die Erinnerungen noch zu weh tun. Dabei kann SIE am allerwenigsten dafür!

Zumindest haben wir einen einigermaßen "normalen" Kontakt und können nach längerer Funkstille wieder miteinander reden.

Sicher, ich bin immer noch ein wenig verkorkst, aber ich nehme es in Angriff, gehe meinen Weg mit dem Bewusstsein, dass mein Vater nun ein für alle Mal verloren hat .... Mein Doc und auch die Liebe meiner Familie haben mir immer wieder Mut gemacht, nicht aufzugeben, sondern weiter zu machen.

Und letztendlich auch die Arbeit von MELINA.

Ich wünsche allen ähnlich Betroffenen viel Kraft, Zuversicht und Mut, den richtigen Weg mit Achtsamkeit und Liebe gehen zu können, und wieder Vertrauen zu finden zu sich selbst und zu Anderen, die einem helfen können, das Wörtchen GLÜCK richtig definieren zu lernen.

M.S.



Nickname 14.04.2008, 19.17 | PL

Am 20. Februar 2008 erreichte uns dieser Text


Liebe Frau Dierkes,

 
Ihre Arbeit hat mir Mut gemacht.


Ich habe übrigens einen kleinen Mutmachtext verfasst. Wenn Sie möchten, können Sie ihn gerne auf Ihrer Seite irgendwo einbauen.

In diesem Sinne, einen schönen Tag noch.
Liebe Grüße

M. S. aus Köln
 
 
DER WEG
 
Du sagst
lass es
du merkst
du lässt es zu
du versuchst zu entkommen
aber es zerreißt dich in Stücke
lass nicht los
 
Du hast geliebt
nun liebst du nicht mehr
verstehst nicht warum
warum bleibt ein Teil
warum will der andere fort
willst das Warum vergessen
doch es reißt dich mit

Verletzungen Wunden Schmerzen
Angst zu leben
Angst zu sterben
Ohne Hoffnung zur Hälfte eingesperrt
Kein Ausweg keine Hilfe
nur du allein mit einem großen Warum
Wie konnte das nur passieren
 
Viele Jahre
die Wunden heilen nicht
der Körper wird schwach
gibt es noch einen Gott
du bist ein In-mich geworden
ganz für dich allein
kämpfst um etwas leiser Ahnung
 
Du musst einen Teil
zurücklassen
der Kampf geht weiter
um Leben und Sterben
schweigend stumm schreiend
aber niemand hört dich
und niemand sieht dich

Aus Verzweiflung
machst du dich auf
doch die Scham
hindert dich am Gehen
kannst keinen nach dem Weg fragen
denn das Schweigen
hindert dich am Reden
 
Geschwächt gehst du weiter
und du findest Jemanden
ihn die Hoffnung
die Hoffnung auf Vertrauen
und ihr geht ein Stück zusammen
ohne zu reden
und ohne zu schweigen
 
Die wahre Liebe gibt es noch
sie nimmt dich bei der Hand
zeigt dir den Weg der Kraft
weg von der Verzweiflung
fängt dich auf und hält fest
Scham und Schuld
verschwimmen

Dein Kopf
kommt so schnell nicht mit
dein Herz
umschlossen mit Mauern
Ohnmacht lässt dich führen
und die Liebe
lässt die Mauern schmelzen
 
Der Kopf
hat Pause
das Herz
und die Energie der Liebe
werden dich leiten
und du lässt es zu
jetzt darfst du zulassen
 
Du lässt dich fallen
kannst trotzdem besser gehn
deine Last
wird leicht
die Mauer abgerissen
keine Sorge
die Liebe schützt das Liebe

Und du lässt es zu
ja lass dich fallen
immer weiter
immer tiefer
Schmerzen werden vergehn
Verletzungen heilen
du wirst weich landen
 
Keine Steine
kein Hart kein Grau
Tränen des Schmerzes
werden Tränen der Erlösung
Erfüllung des Herzens
Weichen gestellt zu den Bahnen
des Denkens
 
Zerbrochenes
wieder zusammengefügt
zerbrechliches Porzellan
nur beim näheren Hinsehen
bemerkt man die Risse
sie werden immer bleiben
aber sie halten wieder etwas Ganzes
 
Das Ganze
bekommt wieder eine klare Kontur
vielleicht wir hier und da
noch etwas durchsickern
Achtsamkeit und Liebe
geben Halt
Vertrauen festigt zusätzlich
 
Man muss es nur
lange genug trocknen lassen
ein Sonnenstrahl
gibt Wärme und Licht
wie hübsch das Ganze doch ist
verziert mit einem Gänseblümchen
ein Geschenk des Himmels

Aus Schwäche wird Stärke
Aus Verzweiflung Geduld
Geduld gibt die nötige Zeit
Zeit macht aus Angst Zuversicht
Zuversicht gibt Lebensmut
Achtsamkeit bringt Verstehen
 
Die Liebe hält ihre
schützende Hand darüber
atme tief flieg hoch
du wirst nicht fallen
sondern gleiten
habe Mut schenke Vertrauen
weißt du nun was Glück bedeutet
 
In diesem Sinne, einen schönen Tag noch.
Liebe Grüße
M. S. aus Köln




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Am 2. Advent 2007 erreichte uns dieser Bericht:


Hier meine Geschichte:

Wie kann ich etwas in Worte fassen, was nicht zu fassen ist. Fassungslosigkeit angesichts der Tatsache, dass 16 Jahre meines Lebens eliminiert waren und ich sie erst langsam wieder zusammensetzen kann. Werden Lücken bleiben? Sicher werden Lücken bleiben...nicht nur in meinem Kopf, sondern auch in meinem Bauch und in meinem Herzen.

Ich war vier, da fuhr ich mit meinem Dreirad die Kellertreppe runter, damals stolz es überlebt zu haben.

Ich war sieben, da zwang mein Vater mich, ihm beim Pinkeln zuzusehen.

Ich war acht, da haute ich das erste mal von zu hause ab, wünschte mir nichts sehnlicher als dass die Polizei mich findet. Doch wer mich findet ist ER und ER zeigt mir gleich, wie lieb er mich hat...

Ich bin zehn, da geh ich zum Jugendamt und will mich adoptieren lassen, doch die, die tun es als Scherz ab.

Ich bin zwölf, da "kontrolliert meine mutter meine schamlippen", ob sie normal entwickelt sind

Ich bin zwölf, da beginnt mein Vater eine Affäre mit einem Gynäkologen, er bezahlt ihn und er benutzt mich, ist mein Zuhälter und ich seine Prostituierte...der Typ vergewaltigt mich über Stunden und mein Vater sieht zu. Keiner hat mir die Entscheidung gelassen, wie ich mein erstes Mal habe, ab da jeden Samstag Vatertag...über Stunden erniedrigt, gedemütigt, beschmutzt, vergewaltigt. Zwei Jahre lang bis...

Ich bin 13, da muss meine Mutter zur Schule, ich habe während der Klassenfahrt die Wände mit Kot beschmier, keinen blassen Schimmer warum? Die Antwort weiß alleine ich...hab es nicht anders gelernt als den Kot zum Spielen zu verwenden...

Ich bin 14, da bin ich schwanger, ahnungslos, gefühllos, abgestumpft. Sie treiben das Kind ab und es hat nie existiert, auf keinem Papier, sondern einzig in meinem Bauch und mein Herz? leer

Ich bin 15, da bin ich schwer depressiv, ahnungslos was mit mir ist, höre schwere und tote Musik und spiele mir selber das Lied vom Tod...dann weiß ich lange Zeit nichts.

Ich bin 16, da betrinke ich mich zum ersten Mal und wer mich findet ist ER, ich war in der Kirche und ER zeigt mir im Keller der Kirche, wie lieb er mich hat, dann lange Zeit nichts. Lücken, bilderlos und vollkommen krank. Wohne alleine und schieb voll die Filme.

ER kommt immer wieder zu mir. ER bezahlt immer wieder DAFÜR.

Ich bin 19, da bricht alles zusammen. Ich nehme 20 Tabletten, hab unendlich Angst, dran zu sterben, gehe zum Arzt und werde bewusstlos. Es ist April, ich komm in die Klapse und wer mich rausholt ist ER, zeigt mir immer wieder, wie lieb er mich hat. Trotz allem...

Ich bin 19, es ist September und wieder bricht alles zusammen. 30 Tabletten und Angst, dran zu sterben den Magen ausgepumpt bei vollem Bewusstsein. 4 Wochen Klapse und wer zu mir hält das ist ER \"ich weiß warum du all das getan hast\" und mir nach der Klapse gezeigt, wie lieb er mich hat...Dann habe ich ein Jahr lang Ruhe und dann...

Ich bin 20, wir fahren gemeinsam nach Sylt, nachts kommt ER in mein Zimmer und schläft jede Nacht mit mir...liebevoll zärtlich wie niemals zuvor und zum ersten Mal in all den Jahren habe ich es als lustvoll erlebt...ja ich habe Lust gespürt...

Ich bin 20, einige Wochen später, meine Tage bleiben aus, mein Bauch wird straffer, die Brüste größer und es ist sicher...ich bekomme ein Kind...doch dann...kommt ER abends zu mir in die Wohnung und sagt, ich kann kein Kind bekommen, sagt ER wird mir helfen. ER lässt mir ein heißes Bad ein, ER betäubt mich...ER desinfiziert Stricknadeln, ER führt die Stricknadeln in mich ein...ER trifft das Kind...dann überall Blut ich schwimme im Blut...und mittendrin...ein kleines Menschlein, nicht mal eine hand voll Mensch...ich habe mein Kind gesehen und ich habe noch etwas gesehen...in den augen meines Vaters war blanke Verzweiflung, Panik, Entsetzen, Aussichtslosigkeit. Was ich nicht gesehen habe war Reue, Verantwortung, Mitgefühl.

Ich war 21, da erkrankte ER erneut an einem Gehirntumor und als ER starb, da war ich alleine mit ihm im Zimmer, ich habe sein Nachthemd hochgehoben und mich in Gänze nackt von ihm verabschiedet...das war am 4.August 1997

Vorgestern Abend habe ich beschlossen, meinem Kind einen Namen zu geben. Bzw. es fing so an, dass eine Freundin aus dem Chat, die in Niedersachsen wohnt, mir erzählt hat, dass es in ihrem Nachbarort eine Gedenkstätte für nichtbeerdigte Kinder gibt. Eine wunderschöne Idee, aber ein Stein kostet dort um die dreihundert Euro. Meine Freundin hat dann schon einen Spendenaufruf gestartet im Forum, bis eine andere herausgefunden hat, dass es eine solche Gedenkstätte auch hier in Düsseldorf am Nordfriedhof gibt und da kostet zumindestens der Stein nichts, aber mit einer Gravur wahrscheinlich doch, also werde ich es mir leider nicht leisten können.

Und so habe ich mir gestern einen Namen überlegt. Da ich ja nicht weiß, ob es ein Mädchen oder ein Junge war, habe ich mich entschieden, meinem Kind einen Doppelnamen zu geben. Und zwar wird der zweite Name Maria sein, da es ja viele Männer gibt, die mit zweitem Namen Maria heißen. Maria steht für die Tapfere. Als ersten Namen habe ich mich für Aron entschieden, denn Aron steht für den Erleuchteten und gerade in Zusammenhang mit diesem grausamen Verbrechen empfinde ich diesen Namen, Aron Maria, als sehr versöhnlich.


Christine


Dies ist nicht der erste und einzige Bericht, der uns in den zehn Jahren seit Gründung unseres Vereines erreichte und vorliegt. Mit Rücksicht auf Inzestopfer, Inzestkinder und Inzestüberlebende, aber auch auf "unbedarfte", sprich unwissende BesucherInnen unserer Homepage haben wir bisher von der Veröffentlichung "solcher" Schilderungen abgesehen. Um aber der Erkenntnisresistenz entgegen zu wirken, was inzestuöser sexueller Missbrauch in der Tat bedeutet, welche Auswirkungen und kriminelle Energien es nach sich zieht, sollte es denen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen interessieren, nicht vorenthalten bleiben.

Wir hoffen vor allem, Inzestopfern und ihren dadurch gezeugten, daraus entstandenen (abgetriebenen) oder geborenen Inzestkindern eine Stimme zu geben, das Tabu des Redens zu brechen und das Schweigegebot der Opfer von inzestuöser Gewalt zu beenden.

Selbstverständlich tun wir dies nicht ohne ausdrückliche Einwilligung des Inzestopfers und haben für den obigen Bericht die Genehmigung zur Veröffentlichung hier auf unserer Homepage eingeholt.

Wir wünschen Christine, ihren abgetriebenen Inzestkindern, allen Inzestopfern und ihren geborenen Inzestkindern, dass die an ihnen begangenen Verbrechen nicht ungesühnt bleiben.


Stuttgart, 2. Advent, Dezember 2007
Ulrike M. Dierkes



Dienstag, 16. Januar 2007

Elfjährige schwanger: 5 Jahre Haft

 

Wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs eines elfjährigen Mädchens mit den Folgen einer Schwangerschaft ist ein 50 Jahre alter Mann vom Landgericht Stendal zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.


Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann aus Salzwedel das Kind zwischen Januar und Juli 2006 zehn Mal sexuell missbraucht hat. Die heute Zwölfjährige wurde schwanger, musste im vierten Monat eine Abtreibung vornehmen und lebt seit August vergangenen Jahres in einer Pflegefamilie. Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidigung vier Jahre.



Nickname 09.12.2007, 16.04 | PL

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Ulrike M. Dierkes, 2007